Rund 300 Einsatzkräfte pro Tag, etwa 100 Fahrzeuge und zwei Hubschrauber: Bei der dreitägigen Waldbrand- und Vegetationsbrandübung in der Dehmse haben Feuerwehr, Rettungsdienst, THW, Polizei und weitere Partner gemeinsam für den Ernstfall trainiert. Besonders eindrucksvoll war am Samstag der mehrstündige Einsatz zweier Löschhubschrauber.

Twistringen/Altenmarhorst. Dichter Fahrzeugverkehr, lange Schlauchleitungen, Tanklöschfahrzeuge im Pendelverkehr und immer wieder das charakteristische Geräusch der Hubschrauber über dem Wald: Die Dehmse zwischen Altenmarhorst und Köbbinghausen wurde vom 4. bis 6. September zum großen Übungsgebiet für die Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung.
Was im Ernstfall eine erhebliche Herausforderung für die Einsatzkräfte darstellen würde, konnte unter kontrollierten Bedingungen umfassend trainiert werden. Die Bilanz am Ende der Übung fiel entsprechend positiv aus. Kreisbrandmeister Michael Wessels zeigte sich zufrieden: „Das Ziel der Übung wurde voll erreicht.“


„Großer Werkzeugkoffer“ für den Ernstfall
Für die neu aufgestellten Feuerwehrbereitschaft Niedersachsen (FB NDS) – Diepholz Nord und Diepholz Süd war die Übung vor allem eine Gelegenheit, die eigenen Fähigkeiten zu erproben und die Zusammenarbeit mit zahlreichen weiteren Einheiten zu vertiefen.
Als Übungsszenario wurde ein großflächiger Vegetationsbrand angenommen, der sich auf ein rund 2,5 Quadratkilometer großes Waldgebiet auszubreiten drohte. Kreisbrandmeister Michael Wessels konnte dabei sinngemäß auf den „großen Werkzeugkoffer“ der Feuerwehr zurückgreifen: Zahlreiche unterschiedliche Fachkomponenten und Spezialfahrzeuge wurden miteinander kombiniert.
Eine zentrale Aufgabe bestand darin, eine leistungsfähige Wasserversorgung aufzubauen. Von einer alten Tonkuhle wurde über ein Hochleistungsförderpumpensystem eine Förderleistung von rund 8.000 Litern Wasser pro Minute aufgebaut. Zusätzlich wurden Wasserübergabestellen eingerichtet und ein Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen organisiert.



Waldbrandbekämpfung ist mehr als Feuer löschen
Die Übung beschränkte sich dabei nicht auf die unmittelbare Brandbekämpfung. Während des angenommenen Waldbrandes mussten weitere Einsatzlagen bewältigt werden.
So wurden unter anderem kleinere Brandherde eingespielt und eine Personenrettung aus einem verunglückten Fahrzeug geübt. Damit trainierten die Einsatzkräfte eine Situation, wie sie auch bei einem realen Vegetationsbrand jederzeit entstehen könnte: Während große Teile der Kräfte mit der Brandbekämpfung beschäftigt sind, müssen gleichzeitig weitere Notfälle abgearbeitet werden.
Ein besonderer Schwerpunkt lag außerdem auf der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Führungsebenen und Einheiten.

Rund 50 Fahrzeuge im Einsatz
Von Freitag bis Sonntag waren täglich etwa 300 Einsatzkräfte mit rund 50 Fahrzeugen im Übungsgebiet beziehungsweise in den unterstützenden Bereichen tätig.
Beteiligt waren unter anderem die Feuerwehrbereitschaften Niedersachsen Diepholz-Nord und Diepholz-Süd, der Fachzug Versorgung und Eigenschutz, der Fachzug Vegetationsbrandbekämpfung, der Fachzug Wassertransport, die Aufklärungstrupps Luft sowie das Fachmodul Hochleistungsförderpumpensystem Niedersachsen 1.
Auch der Führungszug Land Niedersachsen 8 war eingebunden.
Unterstützung kam zudem aus anderen niedersächsischen Landkreisen. Eine auf Waldbrandbekämpfung spezialisierte Einheit aus den Landkreisen Uelzen und Gifhorn brachte dabei auch Erfahrungen aus zurückliegenden Einsätzen und Übungen unter anderem im Harz sowie im europäischen Ausland ein.

Zwei Hubschrauber sorgen für spektakuläre Bilder
Der besondere Höhepunkt der Übung war am Samstag die luftgebundene Waldbrandbekämpfung.
Zwei Hubschrauber trainierten über mehrere Stunden die Wasseraufnahme im Flug und den anschließenden Wasserabwurf über dem Übungsgebiet. Ein für das Land Niedersachsen tätiger privater Betreiber setzte dabei einen Lastenhubschrauber ein, der pro Flug bis zu rund 1.000 Liter Wasser aufnehmen konnte. Die Landespolizei Niedersachsen beteiligte sich mit einem weiteren Hubschrauber, der bis zu etwa 800 Liter Wasser transportieren konnte.
Die beiden Maschinen flogen ihre Einsätze über mehrere Stunden nahezu im Fünf-Minuten-Takt. Nur für Tankstopps kamen sie zeitweise auf den Boden. Ansonsten nahmen sie das Wasser über Schlauchleitungen beziehungsweise aus bereitgestellten 36.000 Liter Faltbehälter auf und flogen anschließend direkt wieder zum angenommenen Brandgeschehen.
Für die Piloten bot die Übung ebenfalls einen wichtigen Ausbildungseffekt. Während der Einsatz des Polizeihubschraubers unter anderem der Ausbildung und dem Sammeln von Erfahrungen mit der zusätzlichen Last diente, konnten beim privaten Betreiber vorgeschriebene Übungsstunden absolviert werden.
Für die zahlreichen Besucher war der Hubschraubereinsatz zugleich der spektakulärste Teil der Übung. Von einem eigens eingerichteten Zuschauerbereich nahe dem Hubschrauberlandeplatz konnte das Geschehen aus sicherer Entfernung verfolgt werden.


Versorgung und Unterbringung im Feld
Eine Großübung dieser Größenordnung stellt nicht nur die Einsatzkräfte an der Brandstelle vor Herausforderungen. Auch die Versorgung von mehreren hundert Feuerwehrleuten über mehrere Tage muss organisiert werden.
An der alten Ziegelei wurde dafür kurzfristig ein Biwak eingerichtet. Bis zu 300 Einsatzkräfte konnten dort pro Nacht untergebracht werden.
Die Versorgung übernahm der kreiseigene Fachzug Versorgung und Eigenschutz. Damit wurde auch der Aufbau einer möglichst autarken Infrastruktur für einen länger andauernden Einsatz trainiert.

THW, DRK, Bauhof und Polizei als wichtige Partner
Auch zahlreiche weitere Organisationen waren Bestandteil des Übungsgeschehens.
Das Technische Hilfswerk (THW), Ortsverband Bassum, übernahm unter anderem die Funktion der Meldestelle. Dort wurden die ankommenden und abrückenden Einheiten registriert. Außerdem unterstützte das THW mit schwerem Gerät beim Aufbau realistischer Übungsszenarien.
Der Sanitäts- und Betreuungszug des DRK-Kreisverbandes Landkreis Diepholz stellte die rettungsdienstliche Absicherung sicher. Glücklicherweise waren während der Übung keine größeren gesundheitlichen Zwischenfälle zu verzeichnen.
Der Bauhof der Stadt Twistringen unterstützte bei Beschilderungs- und Absperrmaßnahmen. Auch die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Twistringen und die Polizeistation Twistringen waren in die Übung eingebunden.

Erfolgreiche Zusammenarbeit
Die dreitägige Übung machte deutlich, wie komplex die Bekämpfung eines größeren Wald- oder Vegetationsbrandes ist. Neben einer funktionierenden Wasserversorgung und einer leistungsfähigen Brandbekämpfung kommt es entscheidend auf Führung, Kommunikation, Logistik, Aufklärung und die Zusammenarbeit unterschiedlichster Einheiten an.
Gerade die Kombination aus Kräften des Landkreises, Spezialkomponenten des Landes Niedersachsen und weiteren Partnerorganisationen bot hierfür wertvolle Trainingsmöglichkeiten.
Kreisbrandmeister Michael Wessels zog zum Abschluss ein positives Fazit: „Das Ziel der Übung wurde voll erreicht.“ Neben der fachlichen Ausbildung habe auch die Kameradschaftspflege an den Abenden ihren Platz gehabt.
Damit hat die Kennenlern- und Waldbrandübung in der Dehmse einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Einsatzbereitschaft für zukünftige Wald- und Vegetationsbrandlagen weiter zu stärken.
Ein herzlicher Dank gilt allen beteiligten Einsatzkräften, Organisationen, Behörden und Unterstützern sowie den Eigentümern und Anwohnern für ihr Verständnis während der Übung.

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